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Das WEF und der Rest der Welt

Diese Woche war es wieder soweit. Das „Annual Meeting“ des World Economic Forum hat begonnen und wird Davos am Samstag wieder verlassen. In diesen knapp vier Tagen beraten sich Regierungen gemeinsam mit den führenden Kräften der globalisierten Wirtschaft, wie es mit der Zukunft dieser Welt so auszusehen hat. Wenn man mal einen Blick auf die offizielle Website wagt, könnte man fast meinen, das WEF leiste einen konstruktiven Beitrag zu einer friedlichen und gerechten Welt, in der man gerne leben will. Aber eben nur fast. Es stimmt zwar schon, dass sich die Teilnehmer_innen dieser Tagung eine Welt ganz nach ihrem Gusto ausdenken und zu verwirklichen suchen, aber dort liegt ja genau das grosse Problem. Denn am WEF tagen nicht die Leute, die mit dem immensen Druck einer neoliberalen Wirtschaftsordnung klarzukommen haben, nicht die Leute, die sich um die Bezahlung der Krankenkassenprämien oder Studiengebühren zu sorgen haben, und schon gar nicht die Leute, die sich auf der Flucht vor Krieg und Unterdrückung befinden.

Nein. Das WEF ist ein exklusiver Club des Superreichen Prozents: Nestlé-Chef Peter Brabeck, die Königin von Jordanien, David Cameron, CEOs von Banken, Konzernen, „Global Corporations“. Also von jenen wenigen, die von der Globalisierung profitieren, von uneingeschränkter Handlungsfreiheit der Konzerne, von Rationalisierung, Deregulierung, Privatisierung. Dass diese Leute nicht sonderlich interessiert sind an guten Löhnen, staatlichen Sicherheitsnetzen, kostenloser Bildung, unabhängiger Forschung, starken Gewerkschaften und einer couragierten Zivilgesellschaft ist wohl selbsterklärend. Wieso sollten ausgerechnet sie dafür verantwortlich sein, genau diese Forderungen in die Tat umzusetzen? Wieso sollten sich CEOs von Rüstungsfirmen für den Frieden engagieren, Nestlé für die Beendung des Welthungers, die Ölindustrie für Nachhaltigkeit? Hören wir doch endlich auf, immer zu glauben, die Interessen der Konzernleitungen liessen sich vereinbaren mit jenen aller anderen, also unseren, denn das ist schlicht und einfach nicht der Fall. Sie machen Politik für sich selbst und ihre sozio-gesellschaftlichen Artgenossen, für genau jene, die sowieso schon so viel haben wie die halbe Menschheit (man erinnere sich an die Zahl 62…) und sich weiterhin schamlos jeglichen Reichtum aneignen, den wir alle erwirtschaften.

Aber vielleicht ist das WEF auch der falsche Ort, um Engagement für Frieden und Gerechtigkeit zu fordern. Wenn wir Veränderung wollen, müssen wir uns schon selbst drum kümmern. Deshalb sind Veranstaltungen wie „Das andere Davos“ im Zürcher Volkshaus dieses Wochenende auch dermassen wichtig. Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für die Umstände, in denen wir leben, die Umstände, die von den Leuten beim WEF gefördert und perpetuiert werden. Denn wie gesagt, die globale Wirtschaft hat durchaus die Mittel, Interessen effektiv zu vertreten. Es sind einfach nicht unsere Interessen, sondern ihre.

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