Thilo Sarrazin
 

Winnetou und Sarrazin

Von der Partei "die Linke" bis zur CSU, vom Zentralrat der Juden in Deutschland bis zu jenem der Muslime, von SPD-Boss Sigmar Gabriel bis zur CDU-Kanzlerin Merkel: Alle sind sich einig. Thilo Sarrazin sei ein wahnsinniger Rassist, ein Antisemit, ein Sozialdarwinist, ein islamophober Spinner.

Die Empörung über Sarrazin und sein eben erst veröffentlichtes Buch ist allerdings Heuchelei.

Sarrazin vertritt eigentlich ganz herkömmliche neoliberale Thesen. Er teilt die Gesellschaft in zwei Gruppen ein: Hier die anständigen und arbeitenden Menschen, da faule Ausländer, Scheininvalide und Sozialschmarotzer. Jedes Problem in Deutschland lasse sich auf die Einwanderung türkischer Muslime zurückführen. Eigentlich nichts neues. Sarrazin – PR-Profi durch und durch – polemisiert bloss etwas stärker als andere. Je heftiger die Reaktion der "Eliten", desto höher die Verkaufszahlen seines Buches. Auch in der Schweiz  kennen wir dieses Spiel: je heftiger sich die Linken über die bösen Plakate der SVP aufregen, umso mehr Platz erhält das Anliegen in den Medien und in den Köpfen der Menschen. Am besten ist es für die SVP, wenn Rot-Grün regierte Städte die Plakate sogar verbieten.

Leute wie Sarrazin totzuschweigen ist jedoch der falsche Weg. Das funktioniert gar nicht. Innerhalb des demokratischen Spektrums sollte man keine Diskussionen scheuen. SPD, "die Linke" und die Grünen sollten ihre Gegenargumente vorbringen. Einfach "Rassist!" zu schreien bringt nichts und überzeugt niemanden.

Sarrazins Antworten sind falsch. Er stellt nicht einmal die richtigen Fragen. Die Reaktionen auf ihn fallen aber nicht zuletzt deshalb so heftig aus, weil sich viele Linke vor Themen wie Integration und Einwanderung fürchten. Und sie leiden unter einem "Winnetou-Komplex". AusländerInnen und MigrantInnen sind für sie „edle Wilde“. "Uiii, wie diese Tamilen-Mädchen schön tanzen." oder "Mhhh, das kurdische Essen an der Mai-Feier war ausgezeichnet." Der überdurchschnittliche Anteil von Secondos in der Fussball-Nati wird als Zeichen einer gelungenen Integration gewertet. Doch das Gegenteil ist wahr. Er zeigt, dass die Schweizer Gesellschaft jungen Ausländern nicht viel mehr zu bieten hat als eine Fussball-Karriere. Leider wird nur aus vielleicht einem von tausend Junioren ein Behrami, ein Derdiyok oder ein Dzemaili.

Ein anderes Beispiel: Viele Quartiere mit hohem Ausländeranteil haben Probleme. Höhere Kriminalität, schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis der Wohnungsmieten, geringe Aufstiegschancen für die Jugendlichen. Diese Stadt-Teile einfach als Multikulti-Oasen und Inspirations-Quellen für KunststudentInnen zu betrachten ist nicht nur falsch, sondern auch rassistisch.

Eine sozialdemokratische, emanzipatorische Politik muss die Probleme der Menschen ernst nehmen und mit zusammen mit ihnen Lösungen suchen. Wie ein Kaninchen vor der rechten Schlange zu erstarren ist keine Lösung. Den Bannstrahl politisch korrekter Gesinnung auf die Sarrazins dieser Welt zu richten ebenso wenig.

Kommentare

Schade! Einige Ansätze im

Schade! Einige Ansätze im Artikel sind gut. Aber weshalb dieses eindimensionale Denken "Links" Gut, Moralisch, höher stehend, integer und "Rechts" ausbeuterisch, neoliberal, klassifizierend. Dabei gibt es gerade auch bei euch Vereinzelte, die diesem eindimensionalen Schema zu entweichen versuchen. Globalisierung und Emigrationsbewegungen heute, Völkerwanderungen früher. Mal mehr, mal weniger gewaltsam, "rassistisch" (Eintopf-Wort" wie super, geil) oder was sonst noch.

Wie die JUSO in Begriffe wie

Wie die JUSO in Begriffe wie "Neoliberalismus" einfach mal so locker vom Hocker irgendwas reininterpretiert was gerade ins Konzept passt, ist schlicht lächerlich. Gerade der Neoliberalismus - in Deutschland bekannt geworden als soziale Marktwirtschaft - ist wohl diejenige Ideologie überhaupt, die am wenigsten Kategorisierungen von Menschen vornimmt und den Menschen in erster Linie als Individuum und nicht als Angehöriger einer Klasse ansieht. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte wird von grossen Teilen der Linke schlicht falsch interpretiert - ich bin überzeugt davon, dass die Finanzkrise (auch die ist nicht durch den Neoliberalismus entstanden) nie in diesem Ausmass eingetreten wäre, würden wir ein bisschen mehr auf die Gründerväter der Marktwirtschaft (Hayek, Röpke, Erhard etc.) hören. Wir leiden an zu wenig Neoliberalismus, nicht etwa am Gegenteil.

Neoliberalismus

Der Neoliberalismus nimmt in erster Linie deswegen keine Kategorisierung der Menschen vor, weil Menschen im Neoliberalismus nichts weiter als Schachfiguren sind. Du hast einen schlechten Zug gemacht und verlierst nun halt zwei Bauern. Oder in der Realität: Du hast dich zu sehr auf den kurzfristigen Profit verlegt und musst deshalb nun 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Strasse stellen. Die Finanzkrise ist deshalb entstanden, weil man Spekulanten und Grossprofiteuren freie Hand liess, sie kaum bis gar nicht kontrollierte. Weil die Neoliberalen auf der ganzen Welt die Leitplanken des Marktes einrissen. Und leider fährt auch der Markt nunmal zwischendurch wie ein Besoffener, wenn die Spekulanten ihn abfüllen. Da die Leitplanken weg waren, fuhr er halt geradewegs die Klippe runter - und wir mussten ihm nachrutschen, um ihn zu retten. Der völlig deregulierte Neoliberalismus (mit Betonung auf völlig dereguliert) ist eine Gefahr für jede Volkswirtschaft, das wirst hoffentlich selbst du einsehen.

Die Marktwirtschaft ist kein Ausrutscher sondern Plan

"Du hast dich zu sehr auf den kurzfristigen Profit verlegt und musst deshalb nun 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Strasse stellen" Oder du denkst an den langfristigen Profit und stellst eben mal 2000 Leute auf die Strasse. So geht Konkurrenz um Produktivkraft, du rationalisierst und kannst dafür Arbeiter rauswerfen, was schöneres gibts gar nicht für Unternehmen als wenn sie weniger Arbeiter brauchen um das gleich herzustellen. Die Finanzkrise kann nicht entstanden sein weil man etwas NICHT machte, das ist ein klassischer Fehlschluss. Viel mehr hat man ETWAS gemacht. Wieder einmal die klassisch bürgerliche Denkfigur: Ein paar Abweichler machen Scheisse und der Rest muss dafür bezahlen. Das System eigentlich OK, aber wenn man die wilen Spekulanten einfach so wild spekulieren lässt.. fällt euch nicht auf, dass das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, wenn man so etwas behauptet? Vielmehr kann man das wirklich zu allem sagen, und am besten wenn man vom Stoff keinen Schimmer hat weil für die Theorie muss man von der Sache wirlich nichts verstehen! Da sagt man einfach: Naja, n paar Leute haben Mist gebaut... ach wirklich? Die Finanzhaie.. aber mehr Staat bringt auch das in Ordnung. Dabei ist der Staat erster Finanzhai und refinanziert sich schon seit Jahren mehrheitlich durch Neuverschuldung bei eben den Finanzhaien. Wenn schon, dann könnt ihr ja das als Ausrutscher hinstellen... als gute Staatsidealisten meine ich.

Sarrazin

Ein recht hörenswerter Beitrag zu Sarazzin und seinen falschen Thesen habe ich auf farbeRot gefunden: http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_100906_sarrazin%202.mp3

Nun ja, ich denke, er hat

Nun ja, ich denke, er hat sein Ziel erreicht - weil sich jeder über ihn aufregt. Dabei labert der werte Herr viel, ohne dass dahinter wirklich was steht, oder zumindest ist dies meine Einschätzung (ohne sagen zu wollen, dass das daran liegt, dass die Aussagen ihn zuweilen mehr rechts als links erscheinen lassen, und dies, obschon er tatsächlich in der SPD ist). Nun ja. Regen wir uns also nicht darüber auf; Wie wäre es, wenn man so etwas einfach mal ignorieren könnte? Das ist heute scheinbar verdammt schwierig, egal, ob es um Aussagen von Politikern oder Promis geht, und egal, ob das privat oder in aller Öffentlichkeit gesagt wurde.

Moslemintegration

Man sollte nicht alle Ausländer in den gleichen Topf werfen. Leute aus Japan, Schweden, Israel oder Deutschland begehen nur sehr selten kriminelle Delikte in der Schweiz. Sie akzeptieren auch die christlich-abendländische Kultur. Haben sie je davon gehört, dass ein Japaner die Schweizer Gefängnisse kritisiert, weil diese kein Sushi-Menu für die japanischen Insassen anbieten oder das ein Jude beklagt, es gäbe kein Koscher-Menu im Schweizer Gefängnis? Diejenigen, welche Probleme machen sind meistens aus dem islamischen Raum. Sie begehen Ehrenmorde, stecken selbst kleine Mädchen in Stoffkäfige, damit diese die Männer angeblich nicht sexuell provozieren. Deshalb sollten wir Ende November 2010 die Ausschaffungsinitiative der SVP annehmen, damit unser Land wieder sicher wird.

Sie tun genau das, was sie

Sie tun genau das, was sie sagen sollte man nicht tun. Sie werfen alle Muslime in einen Topf. Auch bei den Muslimen ist die Mehrheit sehr gut integriert. Und ganz nebenbei: auch die katholische Kirche hatte so ihre Skandale. Sind deswegen alle Katholiken pädophil? Nein! (also ich hoffe es zumindest) Die Ausschaffungsinitiative löst keine Probleme. Sie versucht ein Problem zu lösen aber geht das von der falsche Seite an. Schon jetzt sind die Ausschaffungsgestze genug hart, Kriminelle werden ja schon jetzt gnadenlos ausgeschafft. Und deweiteren gibt sie vor, eine Lösung gegen Verbrechen zu sein, doch wenn jemand ausgeschafft wird hat jemand ja bereits ein Verbrechen begangen. Und das wiederum heisst, dass die Integration misslungen ist und da sollte man das Problem lösen. Dem Opfer hilft es nichts, wenn der Täter ausgeschafft wird, die seelischen oder körperlichen Schäden werden bleiben. Man sollte ein Verbrechen verhindern, dann bleiben einem zwei böse Schiksale erspart: Das des Opfers und das des (ausgeschafften) Täters.

Vorurteile

Nein, die Jusos sind keine eindimensionalen Schablonendenker, da kenne ich ein paar durchaus vernünftige Leute. Und der Neoliberalismus ist nicht ganz allein Schuld am Bankrott des kubanischen Gesellschaftsmodells. Nicht alle Moslems verachten unsere demokratischen Institutionen. Und auch nicht alle von ihnen wünschen sich den Qu'uran als alleingültiges Gesetzesbuch auch bei uns. So ist es wichtig von Verallgemeinerungen abzusehen. Achtzig oder mehr Prozente sind schliesslich noch nicht alle.

Quelle?

Da würde ich jetzt doch gern die quelle sehen, wo du die 80% her hast...

lol

ich denke, wenn man von genen redet, ist die sache ziemlich klar.....haben andere auch schon gemacht und ich denke in diese ecke gehört er. bildung hat nichts mit genen zu tun. auch wenn die türken diesmal böse weg kommen und die juden ansehen geniessen. in einem chancengleichen staat kann sich jeder MENSCH gleich entwickeln. das hat nichts mit politik svp oder sp zu tun, solche leute gehören nicht in die politik, egal in welchem land.

Dies und das

Es ist wenig hilfreich, einfach alles als "neoliberal" zu bezeichnen, was uns nicht behagt. Der Begriff des Neoliberalismus wird dadurch verwässert und letztlich auch für die linke Kritik unbrauchbar, weil er für nichts Konkretes mehr steht. Ausserdem resultieren beileibe nicht alle Übel dieser Welt aus dem Neoliberalismus. Fremdenfeindliche und sozialdiskriminierende Verallgemeinerungen etwa gehören nicht primär zum Neoliberalismus, sondern zum Rechtspopulismus. Dass Sarrazin behauptet hätte, "jedes" Problem lasse sich auf die muslimische Einwanderung zurückführen, wäre mir nicht bekannt. Sarrazin scheint in seinem Buch primär zu sagen bzw. zu beschreiben zu wollen, was der Fall ist, nicht zu sagen bzw. vorzuschlagen, was sein soll und was zu tun ist. Beschreibungen sind grundsätzlich weder links noch rechts, weder sozialistisch noch neoliberal, sondern zutreffend oder unzutreffend. Erst die Programme, Massnahmen und Ziele enthalten Wertungen und können im politischen Spektrum eingeordnet werden. Was Sarrazin über Sozialstatistik, Demographie, Religion, Intelligenz und Genetik sagt, ist wissenschaftlich weniger umstritten, als gemeinhin behauptet wird (s. z.B. http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.faz.net/s/Rub9B...). Aber er betritt damit gerade in Deutschland natürlich ein Minenfeld. Eine sachliche Diskussion über diese Themen ist in der Öffentlichkeit kaummöglich. So ist z.B. das "Juden-Gen" (faktisch ist es natürlich nicht ein Gen, sondern typische genetische Patterns) eine Hypothese, für die wissenschaftlich einiges spricht: Insbesondere die Aschkenasim scheinen kognitiv überdurchschnittlich begabt zu sein, leiden aber auch gehäuft anbestimmten Erbkrankheiten (http://video.google.com/videoplay?docid=6037708729636407580# - ein Vortrag des Neuropsychologen (und Aschkenasi) Steven Pinker zum Thema). Wie dem auch sei: Es lässt sich nicht bestreiten, dass die muslimische Migrantengruppe in Deutschland auch in der zweiten und dritten Generation bedeutend schlechter integriert ist als die anderen Migrantengruppen. Es haben sich Parallelgesellschaften gebildet: In Berlin ist es heute für türkische MigrantInnen möglich, ihr Alltagsleben so zu gestalten, dass sie gar nie mit der deutschen Kultur in Berührung kommen, so dass auch Sprachfähigkeiten entbehrlich werden. Mit Genetik dürfte das, wenn überhaupt, allerdings nur am Rande zu tun haben, weil die relevanten erblichen Unterschiede vermutlich sehr gering sind. (Und selbst wenn sie bedeutend wären: An den sozialpolitischen Massnahmen im Rahmen linker Integrationsförderung würde sich nichts ändern, im Gegenteil. Auch innerhalb der einheimischen Bevölkerung gibt es kognitiv begabte und weniger begabte Menschen, die Interessen aller zählen selbstverständlich gleich und jeder Mensch hat das Recht, individuell gefördert zu werden und später unabhängig von seiner beruflichen Stellung vom gesamtgesellschaftlich erarbeiteten Wohlstand zu profitieren.) Vielmehr dürfte die islamisch-konservative Kultur der Einwanderer einerseits und die besonders skeptische Haltung der hiesigen Bevölkerung gegenüber dieser Kultur andererseits entscheidend sein. Ich finde es wenig hilfreich, wenn auf der linken Seite des politischen Spektrums teilweise einfach negiert wird, dass sich diese Kultur auch selbst bewegen und verändern muss. Geradezu grotesk wird es, wenn wir einen konservativen türkischen Kulturverein besuchen und herzlich willkommen heissen, der überdies im Verdacht steht, turkfaschistisch geprägt zu sein. Man war "kritisch" und hat nachgefragt, was die vielen Darstellungen des grauen Wolfes eigentlich sollen. Ach, hiess es, das ist doch bloss ein alttürkisches mythologisches Symbol! Ach so, dann ist ja alles in Butter. (Oder doch nicht? Auch von der Swastika, dem Hakenkreuz, kann man mit Fug und Recht behaupten, es sei bloss ein altindisches Glückssymbol.) Vergessen wir nicht: Das Haus des türkischen Kulturvereins Olten (mit eingebauter Moschee) ist ein Männerhaus, in dem Geschlechterapartheid praktiziert wird. Islamisch-konservative Gruppierungen sind allen sozialethisch-politischen Fragen mindestens so reaktionär wie die übelsten Vertreter der EDU. Und schliesslich die grauen Wölfe an den Wänden. Wie gehen wir mit der EDU um? Richtig: "EDU ist heilbar" (http://www.google.ch/imgres?imgurl=http://farm4.static.flickr.com/3415/3...). Ich sehe keinen Grund, mit reaktionären Kräften mit Migrationshintergrund anders umzugehen als mit einheimischen (das käme einer Diskriminierung nach Herkunft gleich). Selbstverständlich muss man sich vor unzutreffenden Verallgemeinerungen hüten. Hüten muss man sich aber auch vor einer Haltung, die sich aufgrund einer falsch verstandenen Toleranz vor der Kritik an reaktionären Ideologien drückt. Und schliesslich gilt es natürlich, die Proportionalität zu wahren: Wenn hierzulande jährlich fünf bis zehn Milliarden Franken an Steuern hinterzogen werden, aber nur noch von "ausländischen Sozialtransferabhängigen und -betrügern" die Rede ist (die Sozialhilfe kostet ja drei Milliarden Franken, die "Missbrauchskosten" belaufen sich auf einen kleinen Bruchteil davon), zeugt das natürlich von perversen Prioritäten. Noch ein Wort zur Behauptung, Bildung habe nichts mit Genen zu tun und in einem chancengleichen Staat könne sich jeder Mensch gleich entwickeln. Bildung hat mit kognitiven Fähigkeiten zu tun, kognitive Fähigkeiten mit unserem Gehirn, die Struktur des Gehirns mit unseren Genen. Bis auf die eineiigen Zwillingspaare unterscheiden sich alle Menschen genetisch voneinander. Es gibt daher überhaupt keinen Grund, anzunehmen, dass die Menschen in punkto Bildung alle dieselben Anlagen mitbringen. Denken wir nun die Situation durch, die sich in einer im Bildungsbereich perfekt chancengleichen Gesellschaft ergibt: Der Mensch ist zu jedem Zeitpunkt ein Produkt aus eigenen Anlagen und Umwelteinflüssen - was stärker gewichtet, sei hier offengelassen. Das gilt auch für die kognitiven Fähigkeiten und die Bildung: Sie ergibt sich aus Anlagen und Umwelteinflüssen. Das heisst also, dass sich Bildungsunterschiede zwischen den Individuen sowohl durch unterschiedliche Anlagen als auch durch unterschiedliche Umwelteinflüsse erklären lassen (zu welchen Teilen auch immer). Perfekte Chancengleichheit bedeutet nun nichts anderes, als dass jedem Menschen im Bildungsbereich exakt dieselben Umweltmöglichkeiten geboten werden, sich zu entfalten. Weil die Umweltbedingungen im perfekt chancengleichen Staat für alle Menschen dieselben sind, werden alle Unterschiede, die zwischen den Individuen trotzdem noch bestehen, zu 100% auf die Gene zurückzuführen sein. In der perfekt chancengleichen Gesellschaft wird also eine deutliche Korrelation zwischen kognitiven Fähigkeiten und Bildung der Eltern bzw. der Kinder feststellbar sein. Mit andern Worten: In der perfekt chancengleichen Gesellschaft werden Akademikerkinder oft Akademiker, Arbeiterkinder oft wieder Arbeiterkinder. Daran ist prinzipiell ja auch nichts Schlechtes. Diese Tatsache zeigt ausserdem, dass mit statistischen Korrelationen (Bildungsgrad/Beruf/Einkommen der Eltern bzw. der Kinder) oft leichtfertig umgegangen wird: Die Tatsache, dass Akademikerkinder in der Schule besser abschneiden als Kinder aus bildungsfernen Schichten, beweist nicht, dass es im Bildungssystem Ungerechtigkeiten gibt - denn diese Korrelation bestünde ja auch in der perfekt chancengleichen Gesellschaft. Auch dass der schulische Erfolg der Kinder mit dem Elterneinkommen korreliert, beweist noch keine Ungerechtigkeiten im Bildungssystem, denn das wäre auch in der perfekt chancengleichen Gesellschaft so, wenn auch in dieser Gesellschaft Menschen mit hoher Bildung weiterhin mehr verdienen würden als Menschen mit tiefem Bildungsniveau! So ist es also gut möglich, dass die Statistiken, die heute scheinbar auf bedeutende Ungerechtigkeiten im Bildungssystem hinweisen, falsch interpretiert werden. Die Ungerechtigkeit liegt nicht im Bildungssystem, sondern im Wirtschaftssystem, das Menschen, die kognitiv begabter und gebildeter sind, viel besser entlohnt. Zusammenfassend: In der perfekt chancengleichen Gesellschaft werden Akademikerkinder oft Akademiker, Arbeiterkinder oft Arbeiter, weil die Umweltbedingungen für alle dieselben sind und für die individuellen Unterschiede daher nur noch die Gene ausschlaggebend sind. Wenn die Ungerechtigkeit, dass Akademiker viel mehr verdienen, bestehen bleibt, wird also auch die Korrelation zwischen dem Elterneinkommen und dem Schulerfolg der Kinder nicht verschwinden.

Da kann ich dir weitgehend

Da kann ich dir weitgehend zustimmen. Nur noch dies: Ich glaube nicht, dass es ein "neutrales Beschreiben" von Fakten gibt. Dazu empfehle ich den Meinungsartikel des Statistik-Professors Hans Wolfang Brachingers in der NZZ vom 10. September. Brachinger kritisiert den Umgang Sarrazins mit statistischem Material.

Brachinger, Beschreibungen und Wertungen

http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2010/09/so-viel-unterstuetzung-vo... Vielen Dank für den Hinweis. Drei Anmerkungen: - Brachinger kritisiert primär und überwiegend die atemberaubende statistische Ignoranz der Sarrazin-KritikerInnen, die dessenThesen mit einzelnen Gegenbeispielen zu widerlegen versuchen, die es natürlich zuhauf gibt, die statistisch - und es geht hier ja um statistisch-demographische Aussagen - aber nicht den geringsten Wert haben. - Brachinger kritisiert nicht die Datensätze, die Sarrazin zusammenfasst und weiterverwendet (und die etwa zeigen - so das Beispiel Brachingers -, dass 15% der Frauen ohne Migrationshintergrund keinen Schulabschluss haben, während es bei den Frauen mit türkischem Migrationshintergrund 52% sind). Er lobt ihn indirekt sogar dafür, die Daten so aufbereitet zu haben, dass die Öffentlichkeit davon Notiz nehmen kann, was dem Statistischen Bundesamt nicht gelungen ist. Kritik an Sarrazin erwähnt er nur am Rande, ohne sie näher zu begründen oder auch nur ein konkretes Beispiel für eine unwissenschaftliche Dateninterpretation Sarrazins zu nennen. Brachinger schreibt knapp: "Die vielen Tabellen in der Mikrozensus-Publikation sind rein deskriptive, beschreibende Statistik, also Statistik der einfachsten Art. Sie stellen einen Sachverhalt vereinfachend dar. Sie geben etwa an, wie gross der Anteil von Frauen ohne Schulabschluss an einer bestimmten sozioökonomischen Gruppe ist. Sie sagen aber nichts über die Gründe dafür aus. Das ist Sarrazins Problem: Er zieht Schlussfolgerungen aus einem einfachen deskriptiven Befund, er nutzt ihn für aus den Daten nicht begründbare Inferenzen." Festzuhalten gilt es: Brachinger bestreitet nicht die deskriptiven Daten, mit denen Sarrazin arbeitet - und die sind ja alarmierend genug. Mit den "nicht begründbaren Inferenzen" (für die kein einziges Beispiel genannt wird!) dürfte wohl insbesondere Sarrazins These gemeint sein, dass die Genetik die (unbestrittenen) deskriptiven Daten zu einem wesentlichen Teil erkläre. Hier könnte zur Verteidigung Sarrazins angeführt werden, dass er diese Schlussfolgerungen ja nicht nur auf die statistischen Daten des Bundesamtes, sondern zusätzlich und insbesondere auch auf statistische Daten aus der IQ-Forschung gründet (http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.faz.net/s/Rub9B...). Bei der Erklärung des Befundes, dass Menschen mit türkischem Migrationshintergrund bei IQ-Tests durchschnittlich um 10-15 Punkte schlechter abschneiden, gewichtet er die genetischen Faktoren gegenüber den soziokulturellen wahrscheinlich zu stark. Wie dem auch sei: An den Massnahmen, die im Rahmen linker Integrationspolitik vorzuschlagen sind, ändert sich nichts. - Brachinger geht entschieden davon aus, dass es ein "neutrales Beschreiben" von Fakten gibt. Klar: Interessen und Wunschvorstellungen trüben und verzerren die Beschreibungen sehr oft. Daraus folgt aber nicht, dass es einem wissenschaftlich-rigorosen, kritisch-aufgeklärten Ansatz (der sich gerade auch des interessegeleiteten Verzerrungspotentials bewusst ist!) unmöglich wäre, zutreffende Beschreibungen zu liefern. Mit der "politischen Neutralität" von Fakten meinte ich ausserdem eher: Aus keinen wie auch immer gearteten Fakten folgt ein politisches Programm! Denn dazu bedarf es immer auch bestimmter Werte - Fakten reichen nicht aus. Wir sollten uns daher auch nicht davor fürchten, den Fakten, d.h. der Realität aufrichtig ins Auge zu sehen. Ein Beispiel: Wenn die Rechtsextermisten - die Sarrazin nun ja instrumentalisieren - mit ihrer These Recht hätten, wonach Türken oder etwa auch dunkelhäutige Menschen "dumm geboren" werden, d.h. aus genetischen Gründen ein bedeutend geringeres IQ-Potential haben - so what? Aus dieser beschreibenden These folgt ja in keiner Art und Weise die wertende (und rassistische) Behauptung, dass die Interessen türkischstämmiger oder dunkelhäutiger Menschen weniger zählen bzw. dass es gerechtfertigt ist, sie diskriminierend zu behandeln. Mit anderen Worten: Fakten bzw. Beschreibungen von Fakten sind - wie auch immer sie geartet sein mögen - politisch neutral und können daher nicht rassistisch sein, denn der Rassismus ist keine Beschreibung, sondern eine menschenverachtende (Ab-)Wertung.

ein rassist?oder einer der

ein rassist?oder einer der einfach mal die unbequeme warheit sagt!

JA GENAU UND SARAZIN HAT

JA GENAU UND SARAZIN HAT RECHT!!!BRAVO DAS EINMAL ENTLICH EINER AUFSTEHT UND DIE WAHRHEIT SPRICHT!!!

Die Linken scheinen eine nue

Die Linken scheinen eine nue Taktik zu eintwickeln, wer nicht links ist wird nicht mehr als Nazi veralbert, man greift neu zur Rassistenkeule und zu schlichten Beschimpfungen. Wo sind denn da die Argumente?