Gleichstellung auch im Bett!

Der Button ist klein, der Aufschrei riesig. Die Debatte um den Button mit der Aufschrift „Feministinnen haben besseren Sex“ sorgt für rote Köpfe. Worum geht’s also?

„Gleichstellung haben wir doch schon lange erreicht.“ hört man heute von allen Seiten. Ach ja? Schauen wir doch mal genauer hin: Lediglich 28% der ParlamentarierInnen sind Frauen. Frauen verdienen durchschnittlich 20% weniger als ihre männlichen Kollegen. Die meisten Pflegeangestellten sind Frauen, die meisten Lastwagenchauffeure Männer. Frauen in Führungsetagen von Grossunternehmen sind selten gesehen. Die Liste könnte noch endlos weitergeführt werden. Zweifellos hat uns der Kampf um Gleichberechtigung schon weit gebracht. Das Frauenstimmrecht, die Mutterschaftsversicherung, bessere Aufstiegschancen, den Zugang zur Uni und vieles mehr. Aber wie obige Auflistung zeigt, sind wir immer noch weit von einer tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau entfernt.

Für viele junge Frauen ist dies kaum ein Thema. Sie gehen zur Uni, machen Karriere, kriegen wenn’s gut geht sogar Familie und Beruf unter einen Hut. Sie fühlen sich nicht diskriminiert oder in eine bestimmte Geschlechterrolle gedrängt. In allen Bereichen? Wie sieht das denn im Privatleben aus? Und eben: im Bett? Nur zu oft höre ich den Satz: „Ich habe eigentlich fast nie einen Orgasmus beim Sex mit meinem Partner. Aber das ist ja nicht so schlimm.“ Doch nicht nur die persönlichen Gespräche, sondern auch die harten Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Diverse Studien besagen, dass 70% aller Frauen schon mindestens einmal einen Orgasmus vorgetäuscht haben. Fast jede achte Frau empfindet Selbstbefriedigung besser als Sex mit einem Partner. Ganz offensichtlich hat die Gleichstellung vor der Schlafzimmertüre halt gemacht. Viele Frauen sind unzufrieden mit ihrem Sexualleben. Sex hat immer noch hauptsächlich die Männer glücklich zu machen. Die Befriedigung der Frau steht an zweiter Stelle – wenn überhaupt. Das darf nicht sein, das muss ein Thema sein, gerade für Feministinnen und Feministen.

Feminismus ist aktueller denn je. Und er hat nichts mit Männerhass, Verbitterung oder Prüderie zu tun. Nein, Feminismus kann und muss eine lustvolle Sache sein. Wir müssen weiterkämpfen. Und jede Frau, die selbstbestimmt leben und dabei Spass haben will, ist eine Feministin.

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