Bericht eines Küchenjungen

Wenn du eine Pizza wärst, mit was wärst du belegt?
Oben wird über die arbeitende Klasse diskutiert unten wird für die diskutierende Klasse gearbeitet. Gefühlte fünf Stockwerke unter den Diskutierstuben, nur über verwinkelte Räume und Treppen zu erreichen, befand sich im Sommerlager das dampfende, brodelnde Herz des Lagers – die Küche.

Der einzige echte Weg nach Oben war ein knarrziger, eigenwilliger Lift, der allerdings nur für nicht (oder nicht mehr) Lebendiges gedacht war.

Oft wurden die Aufgaben des Patissier, des Saucier und des Pautagier gar in Personalunion wahrgenommen. GAV? Fehlanzeige. Diese Abgeschiedenheit bot aber auch eine unermessliche Privatsphäre. So benutzten wir den Lieferanteneingang und unsere Gespräche mit dem restlichen Lager beschränkten sich auf „Fleisch oder Vegi?” sowie „Aber mit Mass! Mein lieber Herr Gesangsverein!”.

Die richtige Ernährung und die damit erreichte Reduktion der Schlafzeit ermöglichte uns dann nicht nur die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben des Sommercamps, sondern gab uns auch Zeit zu philosophieren:
Kommunizieren Urner Bergvölker über Nieslaute? Sind Black Tigers die Küchengehilfen des Meeres? Ist es intelligent einem Ufo beim landen zu helfen? Reduziert überhöhter Alkoholkonsum tatsächlich die Hirnleistung um 25%? Welche Partei wählt man dann nach fünf Tagen Serienfeuer? Was für ein Typus Mensch wirft sich ernsthaft auf eine Sardellenpizza? Können solche Fragen an einer Podiumsdiskussion geklärt werden?

Und den Gedanken nachhängend tritt plötzlich wieder ein schweisstriefendes und mit heissem Öl bekleckertes Gesicht vor den Augen auf und brüllt: „CHASCH FAAAAHRE!”
Der Aufforderung nachkommend schiebe ich volle Pfannen, Töpfe und Schüsseln in den Lift und diese verschwinden in den Höhen der Intellektualität. Und jedes Mal wenn sich der Lift wieder öffnet sind darin nur noch inhaltsloses Gefässe vorzufinden…

Und so diskutiere ich mit dem Rahmbläser noch die Frage zu Ende die auch hohe Politiker noch eine Weile beschäftigen sollte: „Wenn du eine Pizza wärst, mit was wärst du belegt?”

*Die Sardellenpizza wurde von der GL bevorzugt – bizarr

 ** Hier noch ein kleines Kücheninterna: 400 Gramm Rindsvoressen, anbraten und gleichzeitig würzen (Curry, Pfeffer, Salz), anschliessend mit Mehl bestäuben. Nach dem Anbraten mit ordentlich Weisswein ablöschen auf mittlere Stufe zurückschalten und 2-3 Esslöffel flüssigen Honig darunter rühren. 1-1/2 Stunden köcheln lassen und kurz vor dem servieren mit Rahm verfeinern.

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