Begrüssungsrede von Alt-Nationalrat Hans Widmer an der JUSO DV

Begrüssungsrede von SP-Alt-Nationalrat Hans Widmer an der Delegiertenversammlung der JUSO Schweiz vom 30. Juni 2012 in Luzern.

Liebe Genossinnen, liebe  Genossen,

Aus allen Landesteilen seid Ihr hierhergekommen, hierher nach Luzern, einer sehr attraktiven  mittelgrossen Stadt mit gut 75.000 Einwohnern. Einer Stadt mit einem klangvollen und symbolträchtigen Namen, einem Namen, der mit der Vorstellung von Licht, Leuchte oder auch  Laterne, in Verbindung gebracht werden kann. Offensichtlich hat diese Namensgebung auch den Kanton fasziniert, den Kanton, der  sich ebenfalls stolz Kanton Luzern nennt, den Kanton mit seinen gut 375.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, dessen Parlament hier in diesem schönen Saal regelmässig tagt.

Politisch ist die Stadt Luzern für die rote SP-Farbe um einiges offener als der Kanton. Im Stadtparlament gibt es nämlich von 48 Sitzen 11 SP und einen JUSO- Sitz und im Kantonsparlament  haben wir es nur – bei einer Gesamtzahl von 120 Sitzen-  auf 15 SP – und einen JUSO-Sitz gebracht.

Dass die JUSO Luzern je einen Sitz im Stadt- und Kantonsparlament erobern konnte und dass der Präsident der JUSO Schweiz aus Luzern kommt, das ist eine Sensation, für die ich Euch um einen kräftigen Applaus bitten möchte.

Genossinnen und Genossen

Es bedeutet mir viel, Euch hier willkommen heissen zu dürfen, weil  Ihr für das politische Leben unseres ganzen Landes, für die  SP-Schweiz und insbesondere  auch für die  SP von Kanton und Stadt Luzern eine Leuchte seid,

Eine Leuchte deswegen, weil Ihr immer wieder – getragen vom  Elan des Jungseins – die Laternen und Fackeln neuer Ideen und Forderungen entzündet und sie dann hineinträgt in den politischen Alltag, hineinen in einen politischen Alltagsraum, der manchmal vor lauter Machtinteresse und Pragmatismus stickig und grau wird und der auf neue  und zündende Ideen dringend angewiesen ist.

Für diesen oft allzu trägen Alltag seid Ihr so etwas wie ein Lebenselexier, Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger, aber auch hin und wieder zu recht Provokateurinnen und Provokateure. Mit Genugtuung denke ich daran, dass die vergangenen nationalen Wahlen für die SP recht positiv verlaufen sind.

Mit etwas weniger Genugtuung denke ich jedoch zurück an all die Befürchtungen vieler SP-Sympathisantinnen und Sympathisanten, aber auch etlicher  aktiver SP-Politikerinnen und Politiker, die dachten, es könne nicht gut kommen, wenn man von der Ueberwindung des Kapitalismus spreche.

Aber, wie gesagt, mit grosser Genugtuung stelle ich fest, dass es so schlimm gar nicht gekommen ist. Diese Erfahrung zeigt, dass wir nicht weiterkommen, wenn wir nur auf die Bedenkenträgerinnen und Bedenkenträger hören. Offensichtlich haben sich viele Wählerinnen und Wähler nicht einschüchtern lassen, einer Partei ihre Stimme zu geben, die Klartext spricht, Klartext in einem Thema, das immer mehr Menschen beschäftigt, dem Thema nämlich, dass der realexistierende Kapitalimus an seine Grenzen kommt und dass es zukunftsgerichtete Entwürfe braucht, die über den status quo hinaus auch für die kommenden Generationen eine Perspektive eröffnen.

Genossinnen und Genossen,

wenn Ihr heute eine Initiative debattiert, welche  der Spekulation mit Lebensmittelrohstoffen das Handwerk legen soll, dann geht das in die gleiche Richtung: ihr zeigt konkrete Perspektiven über den realexistierenden Kapitalismus hinaus. Danke!

Eine solche Initiative schreibt sich ein in das Programm der Ueberwindung des Kapitalismus wie er sich heute präsentiert, eines Kapitalismus, der gierig und masslos und damit letztlich unmenschlich geworden ist. Auch wenn Ihr mit Euren Anliegen zuweilen gebremst werdet oder manchmal sogar von der eigenen Mutterpartei- wie man so schön sagt- eins aufs Dach bekommt, auch, wenn das so ist, verliert bitte nicht Eure politische Fantasie und vor allem nicht Euren politischen Erneuerungswillen.

Ihr steht für die kommenden Generationen und Ihr steht in einer ganz besonderen Verantwortung, in der Verantwortung  nämlich, ohne die Fussfesseln von künstlich geschaffenen Faktizitäten, die man mit viel Werbung zu Sachzwängen erklärt, auf Dinge hinzuweisen, welche die Gesellschaft weiterführen können, auf Missstände auch, welche, wenn man die Gesellschaft weiterwursteln lässt, diese in den Abgrund zu führen vermögen.

Die wenigsten von Euch, liebe Genossinnen und Genossen, sind Luzernerinnen oder Luzerner, aber Ihr alle seid Laternenträgerinnen und Laternenträger, weil Ihr uns Aelteren zeigen könnt, wo auf unserem oft schwerfälligen Marsch eine Kurve zu nehmen ist, damit wir nicht – vor allem der Macht- und manchmal zu wenig der Wahrheit verpflichtet- ein absurdes Treten an Ort vollziehen.

Wer mit der Laterne vorauseilt und Neuland sichtet, darf sich aber nicht von den Menschen,die hinten nach in die gleiche Richtung gehen möchten, allzu sehr entfernen. Sonst wird das Ganze zu einem Selbstlauf, der zwar unterhaltsam sein kann, der aber für die Gestaltung der Gesellschaft nur wenig bewirken wird.

Genossinnen  Genossen,

in Luzernder Leutenstadt und im  gleichnamigen Kanton  heisse ich Euch nochmals ganz herzlich willkommen und wünsche Euche fruchtbare Debatten und gute, erhellende Entscheide.

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