JUSO lässt sich nicht einschüchtern

Letzten Dienstag, am internationalen Welternährungstag, forderte die JUSO den Ausstieg der Crédit Suisse aus der Spekulation mit Nahrungsmittel. Diese mischt im Geschäft mit dem Hunger munter mit und arbeitet dabei eng mit Rohstofffirmen wie Glencore zusammen. In der Folge drohte die CS der JUSO mit Klagen aufgrund der Aussage, die CS spekuliere mit Nahrungsmitteln. Die JUSO lässt sich jedoch von den Drohungen der Grossbank nicht mundtot machen!

An der Aktion am Dienstag wurden Kunden der Crédit Suisse Flyer abgegeben, welche die Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation verdeutlichen. Die Nahrungsmittelspekulation ist massgeblich verantwortlich für die weltweiten Hungerkatastrophen. Zu den Hauptbetroffenen gehören insbesondere Kinder. Jeden Tag sterben 24’000 Menschen an den Folgen von Hunger, 18’000 sind Kinder unter 5 Jahren.

“Die Kunden müssen über die Drecksgeschäfte ihrer Bank Bescheid wissen”, so David Roth, Präsident der JUSO Schweiz. “Mit dieser widerlichen Profitmacherei macht sich Brady Dougan mitverantwortlich für den Tod von mehreren tausend Kindern – jeden Tag.”

Derweil betreibt die Crédit Suisse mehrere Fonds, die mit Nahrungsmitteln wetten. Die Existenz dieser Fonds bestätigte die Bank auch selber: „Die Credit Suisse bietet nach eigenen Angaben im Rahmen von Rohstofffonds auch Investitionen in Agrarrohstoffe an. Sie sei in diesem Bereich aber «ein sehr kleiner Marktteilnehmer», betont Mediensprecher Daniel Cavelti. «Insofern stellt sich die Frage nach einem Ausstieg nicht.»”

Quellen: Crédit Suisse Funds und Tagesanzeiger, 1.9.12

Zudem betreibt die Crédit Suisse zusammen mit Glencore einen Fond, bei dem Glencore die Anweisungen gibt, in was investiert werden soll. Die Statistiken sind äusserst undurchsichtig, da immer erst im Nachhinein kommuniziert wird, in was investiert wurde. Hier besteht das Problem, dass man den physischen Handel (Glencore gehört zu den grössten Getreidehändlern weltweit), direkt mit dem Finanzhandel verknüpft.

Quelle: GAINS

Hinzu kommt der Eigenhandel der Bank, welcher als Aussenstehender nicht beurteilt werden kann, da schlicht keine Zahlen vorhanden sind. Wieso ist das ein Problem? – Die Weltbank sagt in Bezug auf Indexfonds (wovon die Credit Suisse mehrere betreibt): “Wir nehmen an, dass Indexfondsaktivität … eine Schlüsselrolle bei der Preisspitze von 2008 gespielt hat. Biosprit spielte auch eine gewisse Rolle, aber viel weniger, als ursprünglich gedacht. Und wir finden keinen Beleg, dass die angeblich gestiegene Nachfrage aus Schwellenländern irgendeinen Effekt auf die Weltmarktpreise hatte.”

Quelle: Herv. MH

Heiner Flassbeck (Chef Volkswirt bei der Unctad, UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung) sagt: “Wir erleben diese Situation nicht das erste Mal. Schon 2008 rollte eine Spekulationswelle, die zu Hunger und Revolte führte. Das Problem ist: Die Casino-Mentalität hat Hunderte von Einzelmärkten erfasst, die meist gleichzeitig zusammenbrechen. Wir beobachten nicht nur starke Abhängigkeiten auf einzelnen Schauplätzen, sondern über sämtliche Anlageklassen hinweg. Währungen, Aktien, Rohstoffe, Immobilien, alles bewegt sich einförmig, weil alle die gleichen Informationen haben.”

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