Fehlinvestition oder Armeeabschaffung?

Die Argumente im Gripen-Abstimmungskampf sind – wie zu erwarten – weder neu noch kreativ. Die Schweiz sei bedroht, alle anderen kauften auch neue Flugzeuge, der dritte Weltkrieg stehe unmittelbar bevor – und überhaupt, diese Gripen-Gegner_innen wollen doch alle nur die Armee abschaffen! Dass dem nicht so ist und genügend Argumente gegen die Beschaffung des neuen Kriegsspielzeugs sprechen, wird ausgeblendet.

Weshalb wir keine neue Luftwaffe brauchen

Auf der Pro-Seite wird wild spekuliert: Unsere Nachbarstaaten könnten sich schon bald gegen uns wenden, das Tessin könnte sich abspalten wollen oder Osteuropa sich auf der Landkarte zu uns hin verschieben. Gerne beantworten uns die Befürwortenden die Frage, welchen wichtigen Beitrag der Gripen hierbei leisten wird. Die hochmodernen Kampfflugzeuge könnten die Schweiz ganze 5 Wochen lang sichern (jedenfalls während den Bürozeiten), sprich, in Kreisbewegungen das Schweizer Himmelszelt bewachen. An Podien wird jedoch auch noch mit anderen Aussagen hantiert. So durfte ich mich vor gut einer Woche belehren lassen, dass die Schweizer Armee ohne Luftwaffe nicht mehr auskommen könnte. Hingegen dürften nach Angaben meines Podiumsgegners gerne all die Panzer verkauft werden, die sowieso nur dazu taugen würden, die Linken vom WEF zu vertreiben.

Warum das WEF ohne neuen Jets auskommt

Auf die Frage des Moderators hin, ob das WEF denn ohne Gripen weiter bestehen könne, musste ich erst schmunzeln. Dass ich dem WEF ohnehin kritisch gegenüber stehe, war eine Randbemerkung. Der geballten rechtskonservativen Front nun zu erklären, dass die heutigen F/A 18 ihr Lebensende noch lange nicht erreicht hätten, gestaltete sich bereits eher schwierig. Als ich es dann auch noch wagte, anzudenken, dass es ja im Anschluss auch möglich wäre, mit den Luftwaffen anderer Länder Abkommen zur Luftraumsicherung für diese Tage abzuschliessen, war der Streit definitiv entfacht. Es könne passieren, dass während dem WEF alle anderen Staaten in Luftkämpfe verwickelt wären; dann würde uns niemand helfen! – Wer in dieser Situation überhaupt noch an ein WEF denkt, darf sich gern Perversling nennen.

Schon wieder die Armeeabschaffung?

Um sich vor der rationalen Diskussion zu schützen, beschimpfen uns die Gripen-Befürwortenden gerne als Armeegegner_innen. Das Volk würde in die Irre geführt, die böse GSoA stecke hinter alledem. Gegen Fundamentalitis hilft in diesem Falle nur eines: sich der Armee gegenüber als kritisch bezeichnen und dann die Diskussion wieder auf den realen Stand der Dinge zurückbringen. Denn: verfolgten die liberale Wirtschaftselite und die Linke am verhängnisvollen 9. Februar schlussendlich das gleiche Ziel, nur weil sie beide die Nein-Parole vertraten? Wohl kaum. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Sachvorlage und einer Ideologie. Letztere fehlt unserer Gegnerschaft vor diesem 18. Mai einmal mehr.

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