Der grüne Kapitalismus: Eine fehlgeleitete Vision

Ein Beitrag von Ronja Jansen, Mitglied der Geschäftsleitung der JUSO Schweiz

„Ihr sprecht nur vom grünen, ewigen Wirtschaftswachstum…Ihr sprecht nur darüber mit den gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben.“ Die Worte der 15 jährige Greta Thunberg haben letzte Woche tausende von Schüler*innen auf die Strasse getrieben, die nicht länger akzeptieren wollen, dass unsere gemeinsame Lebensgrundlage mit fortschreitendem Tempo zerstört wird. 

Bei den Machthabern dieser Welt ist diese Einsicht noch immer nicht angekommen. Dahinter steckt nicht nur Ignoranz, sondern in erster Linie Kalkül: „Weiter so“ ist die Antwort jener, die von „weiter so“ profitieren. Der grüne Kapitalismus ist die Antwort jener, die vom Kapitalismus profitieren, der zerstörerisch bleibt, egal welche Farbe sein Mäntelchen trägt. Durch die Ausbeutung und Zerstörung unserer Erde fliessen jedes Jahr Milliardenbeträge in die Taschen der Reichsten. Denn wir leben in einem System, in dem es für die Besitzenden von Konzernen profitabel ist, ihre Kosten auf die Umwelt abzuwälzen. Die wahren Kosten unseres Wirtschaftssystems und unserer Lebensweise bleiben unsichtbar, weil sie in Form von Umweltverschmutzung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen in den globalen Süden und in die Zukunft verschoben werden. Doch die verheerenden Kosten kommen immer deutlicher zum Vorschein und sie treffen nicht alle Menschen in gleichem Masse.

Die Klimakatastrophe droht ausgerechnet jene Menschen am stärksten zu treffen, die an der Zerstörung unserer Umwelt am wenigsten beteiligt sind: Die Ärmsten unserer Welt und alle zukünftigen Generationen. Der Anstieg des Meeresspiegels droht hunderte Millionen Menschen in die Flucht zu schlagen. Dabei handelt es sich nicht um die Millionär*innen an Zürichs Goldküste, sondern um Menschen im globalen Süden, die schon heute am stärksten unter dem ausbeuterischen Wirtschaftssystem leiden.
Wir werden die Klimakatastrophe nicht abwenden können, solange jene, die an den Hebeln der Macht sitzen von der Ausbeutung der Umwelt profitieren. Es ist deshalb h
öchste Zeit, dass wir die Hebel der Macht selber in die Hand nehmen und gemeinsam über die Wirtschaft bestimmen. Denn erst wenn wir die Demokratie auf die Wirtschaft ausdehnen, werden die Bedürfnisse aller Menschen in die Rechnung mit einbezogen.

Das heutige Wirtschaftssystem ist in seiner Essenz auf Wachstum angewiesen. Es ist darauf angewiesen, dass investiertes Kapital sich stetig vermehrt. Dazu gibt es zwei Wege: Die Arbeitsbedingungen für Lohnabhängige werden verschlechtert, damit mehr Kapital abgeschöpft werden kann oder die Produktion wird ausgeweitet. Anders ausgedrückt: Das Kapital kann sich ein grösseres Stück des Kuchens abschneiden oder es kann den bestehenden Kuchen vergrössern, damit die Profite wachsen. Die Lohnarbeit wird heute schon bis ans Maximum ausgepresst. Der einzig verbleibende Weg ist stetiges Wirtschaftswachstum.
Doch unendliches Wachstum ist schlicht nicht möglich in einer Welt der endlichen Ressourcen.

Um die Umweltkatastrophe aufzuhalten müssen wir uns vom Wachstumszwang befreien und das kapitalistische System überwinden, das untrennbar mit ihm verknüpft ist.

Unsere Massnahmen gegen den Klimawandel müssen immer die gesamten gesellschaftlichen Machtverhältnisse im Blick behalten und diese transformieren. Der Kampf gegen den Klimawandel geht deshalb Hand in Hand mit dem Kampf für mehr Demokratie und mehr Gerechtigkeit in allen Lebensbereichen. Lassen wir dies aus dem Blick, verlieren wir uns in technokratischen Scheinlösungen, die nicht ausreichen werden, um die drohende Umweltkatastrophe aufzuhalten.

Ein wichtiger Schritt zur Lösung der Klimakrise ist der sofortige Stop von Investitionen in fossile Unternehmen. Insbesondere die Schweiz, als wichtige finanzwirtschaftliche Drehscheibe trägt hier eine grosse Verantwortung. Eine weitere zentrale Massnahme ist eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die 25-Stunden Woche sorgt nicht nur dafür, dass Produktivitätsfortschritte endlich der arbeitenden Bevölkerung zugute kommen und die unentgeltliche Pflege- und Sorgearbeit im Haushalt gerecht verteilt werden kann. Sie ist auch ein wichtiges Instrument um die Klimakrise aufzuhalten: Eine Verkürzung der Arbeitszeit geht einher mit weniger Produktion und einer grundlegenden Veränderung der Konsumgewohnheiten. Schon eine jährliche Reduktion von 0.5% der Arbeitszeit bis zum Jahr 2100, würde die Hälfte der zukünftigen Erderwärmung verhindern.

Gleichzeitig bleibt für uns klar: Um die Klimakatastrophe endgültig aufzuhalten, brauchen wir einen grundlegenden Wandel unserer Gesellschaftsordnung und unseres Wirtschaftssystems. Weg von der kapitalistischen Profitlogik, hin zu einer Welt, in der das gute Leben für alle im Zentrum steht.

Um diese Welt einzufordern, demonstrieren wir im Januar am WEF. So laut, dass uns die Mächtigen nicht länger ignorieren können. Bis sie von ihrem zerstörerischen Plan absehen mit den selben schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Die Antwort auf die kapitalistische Umweltzerstörung lautet nicht mehr Kapitalismus, sondern Systemwechsel.

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